Zweite Katze: So gelingt das Zusammenführen Schritt für Schritt
Katzen sind keine Rudeltiere. Ob zwei Katzen Freunde werden, hängt von ihrem Charakter ab – und davon, wie behutsam die erste Begegnung vorbereitet wird. Mit Geduld stehen die Chancen gut.

Kurz zusammengefasst
- Erst überlegen, ob die eigene Katze überhaupt Gesellschaft möchte.
- Die neue Katze startet in einem eigenen Zimmer mit allem, was sie braucht.
- Reihenfolge: Geruch, dann Sichtkontakt, dann kurze Treffen.
- Das Tempo bestimmen die Katzen – das kann Tage, aber auch Wochen dauern.
Passt eine zweite Katze?
Viele Menschen holen eine zweite Katze, damit die erste nicht allein ist. Das kann wunderbar funktionieren – aber nicht jede Katze wünscht sich Gesellschaft. Katzen stammen von einzelgängerischen Vorfahren ab und suchen sich ihre Freunde selbst aus.
- Gute Voraussetzungen: Die Katze ist mit anderen Katzen aufgewachsen, ist neugierig, verspielt und eher gelassen.
- Eher schwierig: Die Katze lebt seit Jahren allein, ist sehr ängstlich, reagiert stark auf fremde Katzen am Fenster oder ist alt oder krank.
- Charakter passt zusammen: Zwei ähnlich aktive Tiere harmonieren meist besser als ein wilder Junghund-Typ und eine ruhige Seniorin.
- Kitten im Doppelpack: Zwei Geschwister, die zusammen aufwachsen, verstehen sich oft gut.
Hilfreich ist auch die Frage, ob es genug Platz gibt – vor allem in der Höhe – und genug Ressourcen für beide.
Vorbereitung: das Ankunftszimmer
Richte für die neue Katze ein eigenes Zimmer ein, das deine bisherige Katze nicht unbedingt braucht. Darin bekommt sie alles, was sie benötigt:
- Futter- und Wassernäpfe
- eine eigene Katzentoilette
- Schlafplätze und Verstecke, auch erhöht
- Kratzmöglichkeit und Spielzeug
Nutze möglichst keine Gegenstände der ersten Katze – fremde Gerüche können beide verunsichern.
Schritt 1: Ankommen
Die neue Katze bleibt zunächst in ihrem Zimmer, erkundet es und gewöhnt sich an dich. Erst wenn sie dort entspannt frisst, schläft und spielt, geht es weiter. Lass auch neue Katzen vorher tierärztlich durchchecken, damit keine Krankheiten oder Parasiten übertragen werden.
Schritt 2: Geruch tauschen
Für Katzen ist Geruch die wichtigste Information. Tausche Decken oder Liegekissen zwischen den Katzen aus oder streiche mit einem weichen Tuch über die Wangen der einen Katze und lege es zu der anderen. Später können die Katzen abwechselnd die Räume tauschen und so die Spuren der anderen erkunden.
Achte auf die Reaktion: Schnuppert eine Katze neugierig oder reibt sich daran, ist das ein gutes Zeichen. Faucht sie die Decke an oder meidet sie sie deutlich, braucht ihr mehr Zeit.
Schritt 3: Sichtkontakt mit Barriere
Wenn beide entspannt auf den Geruch reagieren, folgt Sichtkontakt – durch eine Glastür, ein Katzengitter oder einen Fliegengitterrahmen in der Tür. Die Katzen sollten ihren Alltag weiterführen, ab und zu schauen, aber sich nicht anstarren.
Fütterung und Spiel eignen sich dabei nicht als Ablenkung: Katzen fressen und jagen von Natur aus allein und fühlen sich dabei in Gegenwart einer fremden Katze oft unwohl. Halte die Sitzungen kurz und beende sie, solange noch alle entspannt sind.
Schritt 4: Erste Begegnungen
Sind die Sichtkontakte ruhig, darf die Barriere für kurze, beaufsichtigte Treffen weichen. Wichtig dabei:
- Beide Katzen haben Fluchtwege und Rückzugsorte, auch erhöht.
- Die Treffen sind anfangs kurz und werden langsam länger.
- Bei Fauchen, Knurren, Anstarren oder Verfolgen ruhig trennen – zum Beispiel mit einem Kissen oder Karton dazwischen, nie mit den Händen.
- Geht es schlecht, einen Schritt zurück zur Barriere. Rückschritte sind normal.
Schritt 5: Zusammenleben
Erst wenn die Katzen sich entspannt im gleichen Raum aufhalten können, bleiben sie unbeaufsichtigt zusammen – erst kurz, dann länger. Auch danach gilt: Jede Katze braucht eigene Ressourcen.
Gute und schlechte Zeichen
Gut: gegenseitiges Beschnuppern, Nase an Nase, aufrechter Schwanz, gemeinsames Liegen in einem Raum, später gegenseitiges Putzen oder Aneinanderkuscheln.
Warnsignale: eine Katze versteckt sich dauerhaft, frisst schlecht, wird unsauber, bewacht Futter oder Katzenklo, Anstarren, Verfolgen, häufiges Fauchen. Dann das Tempo deutlich drosseln und bei anhaltenden Problemen tierärztlichen oder verhaltenstherapeutischen Rat holen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Zusammenführen von zwei Katzen?
Das ist sehr unterschiedlich – von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen. Entscheidend ist, dass die Katzen das Tempo bestimmen.
Ist Fauchen beim Zusammenführen normal?
Ein Fauchen am Anfang ist häufig. Dann einen Schritt zurückgehen, kürzer und mit mehr Abstand üben. Dauerhaftes Fauchen, Verfolgen oder Verstecken sind Warnsignale.
Welche zweite Katze passt zu meiner Katze?
Ein ähnliches Temperament und Aktivitätsniveau passt meist am besten. Eine sehr verspielte junge Katze kann eine ruhige ältere Katze überfordern.
Wie viele Katzenklos brauche ich bei zwei Katzen?
Als Faustregel eines pro Katze plus eins, also drei – an verschiedenen Orten.
- International Cat Care: Introducing cats
- International Cat Care: Will my cat accept a new cat?
- International Cat Care: Multi-cat households
- RSPCA: Introducing your new cat to other cats
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.