Gesundheit · 9 Min. Lesezeit

Übergewicht bei Katzen: erkennen und sanft abnehmen

Viele Katzen sind zu schwer, ohne dass es ihren Menschen auffällt. Die gute Nachricht: Mit kleinen, beständigen Schritten lässt sich das Gewicht sicher reduzieren – wenn man das Tempo beachtet.

Catwise Redaktion · Stand: 3. November 2026

Rundliche Katze sitzt auf einem Stuhl

Kurz zusammengefasst

  • Übergewicht erkennst du besser an der Figur als an der Waage.
  • Katzen dürfen nie hungern: Zu schnelles Abnehmen kann eine lebensgefährliche Leberverfettung auslösen.
  • Sicheres Tempo: etwa 0,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche, am besten mit tierärztlichem Plan.
  • Weniger Kalorien und mehr Bewegung gehören zusammen.

Ist meine Katze zu dick?

Das Gewicht allein sagt wenig, weil Rassen und Körperbau sehr verschieden sind – eine Maine Coon wiegt naturgemäß mehr als eine Siamkatze. Aussagekräftiger ist die Figur. Tierärztinnen und Tierärzte bewerten sie mit dem Body Condition Score, meist auf einer Skala von 1 bis 9, bei der 5 ideal ist. Für zu Hause reichen diese Fragen:

  • Rippen: Bei Idealgewicht ertastest du sie mit leichtem Druck, ähnlich wie die Knöchel deines Handrückens. Musst du kräftig drücken, liegt zu viel Fett darüber.
  • Taille: Von oben betrachtet sollte hinter den Rippen eine leichte Taille erkennbar sein.
  • Seitenansicht: Der Bauch sollte leicht nach oben verlaufen. Ein deutlich hängender, beim Laufen schwingender Bauch spricht für Übergewicht. Ein kleiner, lockerer Hautlappen am Bauch ist bei vielen Katzen dagegen normal.

Schätzungen zufolge ist in vielen Ländern ein großer Teil der Hauskatzen übergewichtig. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen – auch wenn die eigene Katze „nur ein bisschen kuschelig“ wirkt.

Warum Übergewicht so schädlich ist

  • Diabetes: Übergewichtige Katzen erkranken deutlich häufiger an Diabetes mellitus.
  • Gelenke: Mehr Gewicht belastet Gelenke und fördert Arthrose – die Katze bewegt sich weniger, ein Teufelskreis.
  • Harnwege und Haut: Harnwegsprobleme treten häufiger auf. Schwere Katzen erreichen beim Putzen ihren Rücken und das Hinterteil schlechter.
  • Leber: Übergewichtige Katzen sind besonders gefährdet für eine Leberverfettung, wenn sie plötzlich wenig fressen.
  • Lebensqualität: Weniger Spiel, weniger Bewegung und oft eine kürzere Lebenserwartung.

Die häufigsten Ursachen

  • Zu großzügige Portionen nach Augenmaß oder ein immer voller Napf
  • Leckerlis, Milch oder Essensreste, die nicht mitgerechnet werden
  • Zu wenig Bewegung, besonders bei Wohnungskatzen
  • Kastration: Der Energiebedarf sinkt, der Appetit steigt oft
  • Mehrkatzenhaushalt, in dem eine Katze die Reste der anderen mitfrisst
  • Langeweile – Fressen wird zur Beschäftigung
Wichtig: Niemals hungern lassen Wenn Katzen plötzlich sehr wenig oder gar nichts fressen, mobilisiert der Körper Fett schneller, als die Leber es verarbeiten kann. Es droht eine hepatische Lipidose (Leberverfettung), die ohne Behandlung tödlich enden kann. Übergewichtige Katzen sind dafür besonders anfällig. Abnehmen muss deshalb immer langsam und kontrolliert passieren – idealerweise mit einem Plan aus der Tierarztpraxis.

So nimmt deine Katze gesund ab

1. Ausgangslage klären

Lass deine Katze in der Tierarztpraxis wiegen und untersuchen. Dort wird auch geprüft, ob Krankheiten hinter dem Gewicht stecken, und ein realistisches Zielgewicht festgelegt. Die Futtermenge richtet sich dann nach dem Zielgewicht, nicht nach dem aktuellen.

2. Das richtige Tempo

Als sicher gilt ein Gewichtsverlust von etwa 0,5 bis 2 Prozent des Ausgangsgewichts pro Woche, häufig wird rund 1 Prozent empfohlen. Bei einer 6-kg-Katze sind das etwa 60 Gramm pro Woche. Das klingt wenig – über Monate summiert es sich aber zuverlässig.

3. Futter abwiegen

Eine Küchenwaage ist das wichtigste Werkzeug. Schon ein paar Gramm Trockenfutter zu viel am Tag machen über Wochen einen spürbaren Unterschied. Diätfutter mit weniger Kalorien und mehr Volumen oder Eiweiß kann helfen, satt zu machen – welches passt, besprichst du am besten in der Praxis.

4. Mahlzeiten verteilen

Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag halten den Hunger zwischendurch kleiner und entsprechen dem natürlichen Fressverhalten.

5. Futterspielzeuge nutzen

Fummelbretter, Futterbälle oder im Raum versteckte Portionen lassen die Katze für ihr Futter „jagen“. Sie frisst langsamer und bewegt sich mehr. Das Futter darin zählt zur Tagesration.

6. Täglich spielen

Zwei bis drei kurze, intensive Spielrunden am Tag – zum Beispiel mit einer Federangel – bringen Bewegung in den Alltag. Katzen sind Sprinter: Ein paar Minuten Jagen sind wertvoller als eine lange, lahme Runde.

7. Leckerlis neu denken

Reduziere Snacks oder nutze einen Teil der normalen Tagesration als Belohnung. Zuwendung, Spiel und Bürsten sind ebenfalls Belohnungen – ganz ohne Kalorien.

8. Mehrere Katzen: getrennt füttern

Wenn eine Katze abnehmen soll und die andere nicht, füttere in getrennten Räumen oder nutze Futterautomaten mit Chiperkennung.

9. Regelmäßig wiegen und anpassen

Wiege etwa alle ein bis zwei Wochen zur gleichen Tageszeit. Tut sich nach einigen Wochen nichts, wird die Menge leicht reduziert. Geht es zu schnell, wird wieder etwas mehr gefüttert.

Wenn das Ziel erreicht ist

Ist das Zielgewicht erreicht, wird die Menge vorsichtig wieder etwas erhöht, bis das Gewicht stabil bleibt. Behalte die Waage trotzdem im Blick – die alten Gewohnheiten schleichen sich schnell wieder ein.

Häufige Fragen

Wie schnell darf eine Katze abnehmen?

Langsam: etwa 0,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche, oft wird rund 1 Prozent empfohlen. Schnelleres Abnehmen kann eine gefährliche Leberverfettung auslösen.

Darf ich meine Katze einen Tag fasten lassen?

Nein. Katzen sollten nie hungern. Reduziere die Menge schrittweise und stimme den Plan am besten mit deiner Tierarztpraxis ab.

Hilft Diätfutter beim Abnehmen?

Spezielles Futter mit weniger Kalorien kann helfen, satt zu machen und trotzdem abzunehmen. Ob es passt, klärst du am besten in der Tierarztpraxis.

Wie viel Bewegung braucht eine übergewichtige Katze?

Mehrere kurze, intensive Spielrunden am Tag sind ideal. Futterspielzeuge sorgen zusätzlich für Bewegung rund um die Mahlzeiten.

Quellen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.